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Kehlhof – Weidlistrasse 1

Bei diesem stattlichen, verputzten Fachwerkbau mit geknicktem Satteldach und kräftigen Flugsparrendreiecken handelt es ich um den unteren oder eigentlichen Kehlhof des Klosters. Dieser kommt 1347 an Tänikon. Nach der Klosterchronik ist er 1657 neu erbaut worden, aber dann bald «im Morast versunken». Nebst Klosterakten bestätigen Holzuntersuchungen das Baujahr 1725 des Hauses, das seit spätestens 1783 zwei Wohnungen enthält.

Diesen Hof erwirbt 1470 die Familie Ramsperger, aber bereits 1479 kauft ihn das Kloster um «61 gute Gulden und 8 Gulden rheinisch Geld» zurück. Seither bis 1783 sind die Ramsperger Lehenbauern. Mit Lehenbrief vom 18. Februar 1783 erhält Quartierhauptmann Ignaz Florian Ramsperger (1735–1818) die Tänikoner Klosterwirtschaft mit zugehörigen Gütern und die Ammannschaft lebenslänglich. Im gleichen Jahr noch, nach anderen Quellen 1784, aber gibt Ramsperger seine Rechte am Kehlhof und an der Tänikoner Wirtschaft auf. Weil die Ramsperger sich 1725 am Neubau des Kehlhofs beteiligten und in Tänikon das Wirtshaus reparierten, bezahlte ihm das Kloster eine Entschädigung. Ebenfalls 1783 oder 1784 tauscht Ramsperger ein Stück Wiese im Rüedimoos gegen «Hanffeld und Heuwachs im Dorf unter den Reben gelegen, so zum Schneidersgut gehört, und Josef Zehnder, der Mittler baur zu Schupflehen hat». Auf diesem Bauplatz zwischen dem Bach und dem Rebberg baut er ein Haus. Der Standort ist nicht einwandfrei belegbar, liegt aber im Gebiet Elggerstrasse 18–24. Sein Haus dient 1827–1828 vorübergehend als erstes Schullokal. Ramsperger hat nur eine Tochter, die nach Bichelsee heiratet.

Neue Lehenbauern auf dem Kehlhof werden 1783 Stephan und Anton Zehnder, nachdem das Haus «jüngsthin zu einer gedopleten oder zweifachen Bewohnung eingerichtet worden.» Stephan stirbt 1813, worauf seine belehnten Grundstücke an Schwiegersohn Josef Baumgartner, «Ochsen», übergehen. Anton Zehnder (1748–1818) wie auch sein Sohn Peter Josef Stephan Zehnder (1785–1818) sterben im gleichen Jahr (allenfalls hängen auch diese Todesfälle mit der grossen Hungersnot im Winter 1817–1818 zusammen). Die junge Witwe des letzteren, Anna Zehnder-Braun (1786–1856) heiratet den «Klosterbauer» Alois Engeler (1795–1861) von Tänikon. Dieser, ein Sohn von Johann Engeler-Stadler (1748–?), Lehennehmer des Meierhofs Tänikon als «Mayer baur» um 1800, erwirbt im Jahre 1822 das Ettenhauser Bürgerrecht, ist 1833 bis 1842 Ortsvorsteher/Bürgerpräsident, kauft 1837 seinen Lehenhof von der Klosterverwaltung für 3400 Gulden und erwirbt am 23. Juni 1841 Wald im Gisibüel ebenfalls vom Kloster. Sein Sohn Alois Augustin (1824–1900) wirkt 1845–1864 als Lehrer in Ettenhausen, anschliessend als Verwalter der Strafanstalt Tobel. Alois Engeler (1795–1861) ist der Urgrossvater von Bürgerpräsident Gebhard Engeler (Amtszeit 1962–1991) und Ururgrossvater seines Nachfolgers Dr. Roman Engeler (seit 1991), der das Haus besitzt und bewohnt und in den Jahren 1993 die Wohnung Ost, 2003 die dazugehörende Stallscheune und 2004 die Wohnung West komplett saniert und modernisiert.

In diesem Gebäude ist 1808 und 1851 eine Wirtschaft nachgewiesen. Zu diesem Haus gehört seit altersher die mit dem Gebäude Weidlistrasse 3 zusammengebaute ehemalige Stall-Scheune mit markantem Riegelwerk und dreieckigen Lüftungsschlitzen. Eigentümer Dr. Roman Engeler lässt 1999 durch das Büro für Archäologie der Stadt Zürich das Holz bestimmen. Bei beiden untersuchten Proben handelt es sich um Fichten. Die eine Probe zeigt ein sicheres Datum in den Zeitraum 1668 bis 1726. Da das zugehörige Haus Weidlistrasse 1 – der ehemalige Kehlhof des Klosters – 1725 erbaut wurde, ist es naheliegend, dass die Stallscheune ein Jahr später errichtet wurde. Für die andere Holzprobe ergab die dendrochronologische Untersuchung einen letzten gewachsenen Jahrring unter der Rinde vom Herbst/Winter 1473. Dies bedeutet, dass beim Scheunenbau von 1726 Holz eines Vorgängerbaus verwendet wurde. Diesen Kehlhof erwarb die Familie Ramsperger 1470, aber bereits neun Jahre später kaufte ihn das Kloster teuer zurück. Der hohe Rückkaufspreis ist ein Hinweis, dass es sich um ein neues Gebäude gehandelt haben muss. Diese auf 1473 datierte Probe ist das älteste in Ettenhausen vorhandene Bauholz.

aus «Ettenhausen – Ein Gang durch seine Geschichte», von Dr. Louis Hürlimann